Bantigerpost, 1. Februar 2018

Einen Franken für unsere Demokratie

Für einen Franken pro Tag erhalte ich am Radio: zuverlässige, sachliche, ausgewogene Information über unser Land und die Welt z.B. im «Echo der Zeit» und im «Rendez-vous am Mittag» auf SRF 1; auf SRF 2 und Espace 2 höre ich Kultursendungen (Musik, Gesellschaft, Wissenschaft,); ich habe Zugang zu privaten Regionalsendern und kann mir so jederzeit ein interessantes persönliches Programm zusammenstellen.

Die SRG kann und soll kritisiert werden, sie soll und kann sich verbessern und in gewissen Belangen redimensionieren. Was aber die No-Billag-Initiative vorsieht, wäre:
Versteigerung der Radio- und TV-Konzessionen an den Meistbietenden. Damit würde die Information der Schweizer Bevölkerung durch Milliardäre und ausländische Konzerne beherrscht. Werbefinanzierte Sender würden gewinnorientiert vorwiegend Unterhaltung bringen, denn kompetent erarbeitete Informations- und Hintergrundsendungen sind teuer. In den Pay-Formaten würden sich noch mehr Leute ausschliesslich in ihrer Blase bewegen. Insgesamt würde es enorm kompliziert und teuer bzw. unmöglich, sich die persönlich adäquaten Angebote zusammenzusuchen. Das ist die «Freiheit», die uns No-Billag verspricht.

Eine Demokratie kann nur aufrechterhalten werden, wenn die Bevölkerung Zugang hat zu korrekter, sachlicher und umfassender Information. Einen Franken pro Tag sollte uns das wert sein. Eine Schweiz ohne Billag-Gebühren (ab 2019 365 Franken/Jahr), d.h. ohne SRG-Sender in den vier Landessprachen, ohne die 34 regionalen Radio- und TV-Sender, die ebenfalls Billag-Gelder erhalten, ohne Unterstützung der Schweizer Kulturschaffenden wäre für unsere Demokratie und unseren nationalen Zusammenhalt ruinös. Daher sage ich Nein zu No-Billag und bezahle gerne einem Franken pro Tag für unsere Demokratie!

Ursula Lüthy, Ostermundigen

Artikel als pdf